Gedichtesammlung, Zitate und Texte
von Hermann Hesse
Das Altwerden -
Das Altwerden ist ja nicht bloß ein Abbauen und Hinwelken,
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es hat, wie jede Lebensstufe,
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seine eigenen Werte, seinen eigenen Zauber,
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seine eigene Weisheit, seine eigene Trauer,
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und in Zeiten einer einigermaßen blühenden Kultur
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hat man mit Recht dem Alter eine gewisse Ehrfurcht erwiesen,
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welche heut von der Jugend in Anspruch genommen wird.
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Wir wollen das der Jugend nicht weiter übel nehmen.
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Aber wir wollen uns doch nicht aufschwatzen lassen,
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das Alter sei nichts wert.
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Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
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